Botta Felice Antonio

Felice Botta (1931–2021)
Die Essenz der Form und die Seele des Fundstücks
Felice Antonio Botta war einer der feinsinnigsten Vertreter des Designs und der Arte Povera in Italien. Geboren 1931 im Florentiner Viertel Oltrarno, sog er von klein auf das handwerkliche Wissen seiner Stadt auf. Seine Ausbildung absolvierte er am renommierten Istituto d’Arte unter der Leitung des großen Xilographen Pietro Parigi.
Sein künstlerischer Weg, der über sechzig Jahre andauerte, war eine ständige Suche nach dem Wesentlichen – eine Philosophie des „Weglassens“, um die verborgene Schönheit in den vergessenen Dingen zu offenbaren.
Die Philosophie von Interno 9
Im Jahr 1975 gründete er in Antella (Bagno a Ripoli) sein historisches Atelier „Interno 9“. Hier schuf Botta ein immenses Werk, das von Grafik und Bildhauerei bis hin zu poetischer Papeterie und Spielzeugdesign reichte. Seine Meisterschaft erlangte internationale Anerkennung:
- Design: Nominiert für den Compasso d’Oro im Jahr 1970 und Teilnehmer an der 14. Triennale von Mailand.
- Pädagogik: Elfmaliger Gewinner des prestigeträchtigen europäischen Spielgut-Siegels, das Objekten verliehen wird, die die Intelligenz und Fantasie von Kindern fördern.
- Ausstellungen: Seine Werke wurden in Galerien weltweit gezeigt, mit bedeutenden Stationen in Tokio (1985), Neapel (1988) und New York (1992).
Die „Legni parlanti“ (Sprechende Hölzer): Skulpturen der Erinnerung
Felice Bottas Arbeit mit Holz stellt die perfekte Synthese aus Ethik und Ästhetik dar. Er suchte nicht nach edlen Materialien; er bevorzugte Fundholz: alte Balken von Baustellen, Bretter von Transportkisten, vom Meer glatt geschliffenes Treibholz oder Reste aus Schreinereien.
- Respekt vor der Materie: Botta griff nur minimal ein. Ein Riss, ein Wurmloch oder eine knorrige Maserung wurden zum Auge eines Wals, zum Schnabel eines Vogels oder zum Profil eines Pinocchios.
- Nachhaltigkeit und Poesie: Als Pionier des kreativen Recyclings bewies er, dass Abfall eine höhere Würde besitzt, wenn man ihn mit den Augen der Fantasie betrachtet. Seine Skulpturen verbergen die Vergangenheit des Materials nicht, sondern zelebrieren sie und machen jedes Stück zu einem Unikat.
Das künstlerische Erbe
Neben seinen berühmten Holzarbeiten ist Botta für seine „Timbri d’Artista“ (Künstlerstempel), seine Werke aus Recyclingpapier und seine Notizbücher bekannt, die heute Kultobjekte für Sammler und Liebhaber minimalistischen Designs sind. Sein Tod im Jahr 2021 hat eine Lücke in der toskanischen Kunstszene hinterlassen, doch seine Botschaft bleibt aktueller denn je: Wahrer Reichtum liegt nicht im Besitz, sondern in der Fähigkeit, über die Einfachheit zu staunen.
„In meinen Händen stirbt das Holz nicht; es verändert nur seine Form, um seine Geschichte weiterzuerzählen.“










